KLOSTERGÄRTEN: FULDA

Dorit Schmitt • 21. Februar 2026

Die Wiege der Kräuterheilkunde und Bauerngärten

„Denn in jedem Garten lebt eine Verheißung, glüht eine Liebe,
leuchtet ein Trost und wächst eine Hoffnung“ 

(aus Friedrich Schnack: Der Traum vom Paradies, Bertelsmann-Verlag)



Die Stadt Fulda entstand einst um ein Benediktinerkloster herum, das von Abt Sturmi im Auftrag des Hl. Bonifatius 744 gegründet wurde. Das Kloster Fulda entwickelte sich zeitweilig zu einem Kulturzentrum von europäischem Rang. Fast 1000 Jahre später, mit der Ankunft von vier Benediktinerinnen aus dem Kloster Zella, beginnt die lange Geschichte eines Frauenklosters in der Stadt. Während das Männerkloster im Jahre 1806 der Säkularisation zum Opfer fiel, konnte das Frauenkloster die benediktinischen Traditionen bis in die Gegenwart fortführen.


Die heutige zentrale Lage im Herzen der Stadt ist für ein Benediktinerkloster, fernab von Abgeschiedenheit, Natur und Stille, etwas Besonderes. Eine weitere Besonderheit ist es, dass die Klosteranlage, als eine der wenigen in Deutschland, bis heute in ihrer ursprünglichen Bausubstanz und Größe erhalten und durchgehend bewohnt blieb. 



Innerhalb der Klostermauern der Abtei Fulda, die die betriebsame Hektik und den Lärm der Stadt abschirmen, ist ein Kleinod zu finden – ein einzigartiger Klostergarten. Er hat sich zu einem Refugium und Ort der Erholung für Mensch und Tier entwickelt. Die Schwestern sind Pioniere des biologischen Gartenbaus und teilen Ihr gesammeltes Wissen in den klostereigenen Publikationen und Gartenführungen mit allen Interessierten.


In ihrem etwa 2000 m² großen Klostergarten wird seit mehr als einem halben Jahrhundert nach naturgemäßen Richtlinien gegärtnert. Auf chemische Düngung und Pflanzenschutzmittel wird vollständig verzichtet und stattdessen auf natürliche Mittel aus Kräutern zurückgegriffen. Den Kräuter- und Heilpflanzen wird deshalb ein großer Teil der Anbaufläche zur Verfügung gestellt. Insgesamt beherbergt das Gelände einen großen Nutzgarten mit Gemüse, Salat, Beeren- und Baumobsts sowie Kräutern. An gesonderten Plätzen haben die Schwestern eine Kräuterspirale und einen frühmittelalterlichen Heilkräutergarten, nach dem historischem Muster des Reichenauer Abts Walahfried Strabo, angelegt. Er verfasste ein viel zitiertes Lehrgedicht über den Gartenbau, wahrscheinlich das erste seiner Art: „De cultura hortorum“, kurz „Hortulus“ (Gärtlein) genannt. Auch die Heilige Hildegard von Bingen nutzte dieses Wissen.


Den Spuren der Hl. Hildegard von Bingen kann man auf einem Pilgerwanderweg durch das Nahetal folgen. Für ein paar der Etappen auf dieser Route stehen Audio-Dateien zur Verfügung, die man bereits im Vorfeld einfach auf sein Smartphone laden kann. So kann man beispielsweise bei Etappe vier den Worten Hildegards über ihre Heilkunst lauschen. Außerdem informieren 59 Hildegard-Tafeln auf der gesamten Wegstrecke über die Visionärin und Kirchenlehrerin, ihr Werk sowie über das Leben im Mittelalter.


Wer einen Klostergarten betritt, wird sofort von seiner besonderen Aura umfangen. In diesen grünen Oasen kommen die Gedanken zur Ruhe, Farben und Düfte von Kräutern und Blumen wirken sich positiv auf das Gemüt aus. Alle Kräuter und Pflanzen sind mit Bedacht ausgewählt und werden mit viel Liebe und Hingabe gepflegt, das spürt man. Diese Gärten sind gleichermaßen Inspirationsquelle und lebendiges Archiv der Heil- und Kräuterkunde. Nach ihren Vorbildern entstanden Bauern- und Apothekergärten, Bibelgärten und Arzneipflanzenkulturen.  Bedenkt man, dass sich die Menschen in früheren Zeiten ausschließlich auf Pflanzen zur Heilung ihrer Krankheiten verlassen mussten, erkennt man diesen ungeheueren Schatz, der in diesem Wissen der Pflanzenkunde schlummert. 


In einer erhaltenen Kombinationsskizze von Walahfried Strabo für den Gartenaufbau des St. Galler Kräutergartens, sind die über 20 Kräuter aufgeführt, die er in seinem „Hortulus“ beschrieben hat. So finden sich darin beispielsweise Schlafmohn, Lilien und rosa Rosen, Salbei, Liebstöckel, Fenchel und verschiedene Minzen sowie Wermut, Ambrosia, Melonen, Flaschenkürbis und Eberkraut. Ebenfalls überliefert sind die Verwendungszwecke der einzelnen Kräuter und Pflanzen. All dieses Wissen ist in den Klostergärten bis heute lebendig geblieben. Und viele Klöster bieten an, an beastimmten Tagen einen Einblick in diese verborgenen Schätze hinter ihren Klostermauern zu bekommen.


So steht während der Gartensaison von Mai bis September der Klostergarten der Abtei Fulda jeweils samstags von 14 bis 16 Uhr interessierten Besuchern offen. Eine Begehung außerhalb der regulären Besichtigungszeiten ist nicht möglich – auch nicht für geschlossene Besuchergruppen – da sich der Garten im Klausurbereich des Klosters und somit im Privatbereich der Nonnen befindet.

Wer zufällig in Fulda ist, kann im Klosterladen der Abtei viele interessante Bücher über den biologischen Gartenbau, Wissenswertes über Heil- und Würzkräuter oder den Vorteilen der Mischkultur finden. Ein Buch (s. Seite 39) lege ich meinen Lesern besonders ans Herz: „Geheimnisse aus dem Klostergarten“. Darin beschreibt Sr. Christa die wichtigsten Arbeiten, die in Nutz- und Ziergärten anfallen und gibt wertvolle Tipps. Und wer es persönlich nicht nach Fulda schafft, kann sich aus dem Onlineshop des Klosterladens Bücher und köstliche Konfitüren bequem bestellen oder telefonischen Rat in der Gartensprechstunde bei Sr. Christa holen.


von Dorit Schmitt 21. Februar 2026
Wer sagt eigentlich, dass Waffeln immer süß sein müssen? Mit einem Waffeleisen lassen sich ebenso wunderbar herzhafte Varianten zaubern. Raffinierte Rezepte im Blog!
von Dorit Schmitt 3. Februar 2026
Liebe geht durch den Magen. Nicht nur am Valentinstag! Deshalb sollten wir dem Kochen und dem gemeinsamen Genuss wieder einen viel höheren Stellenwert einräumen.
von Dorit Schmitt 9. Dezember 2025
Meine Empfehlung für den Winter: In diesem Winter genießen wir unsere heißen Getränke etwas weniger süß – und gern auch mit weniger Alkohol. Wie wäre es mit Cranberry-Punsch, Weihnachtspunsch oder Cider-Punsch?
Pichelsteiner
von Dorit Schmitt 6. Dezember 2025
Bei mir geht Liebe durch den Magen – mir geht das Herz auf bei Gerichten aus meiner bayerischen Heimat, aber auch bei unseren Familienrezepten.
Das Interview mit Cornelia Kohler, alias „Wilde Sophie“, bietet spannende Einblicke in ihren Lebensl
von Dorit Schmitt 6. August 2025
Als Künstlerin arbeitet Cornelia Kohler, die Wilde Sophie, an der Schnittstelle von Kunst und Kulinarik. Als Jägerin und Naturpädagogin zeigt Sie uns ihre Welt.
von Dorit Schmitt 12. Juli 2025
In der sonnenverwöhnten Provence gedeihen die wichtigsten Zutaten für die Calissons direkt vor der Haustür: aromatische Mandeln, saftig süße Melonen und feiner Honig. Sie verleihen den Calissons ihren unverwechselbaren Geschmack.
von Dorit Schmitt 19. Mai 2025
Wenn man sich aus der Weinwelt kommend, dem Thema Apfelwein, Most, Cider oder Cidre nähern möchte, empfehle ich zunächst, den Einstieg über Birnenweine und Birnenschaumweine (Perry, Poiré) zu wählen.
von Dorit Schmitt 11. Mai 2025
"Hopfen und Malz, Gott erhalt's!" – Diesen Ausspruch kennen wohl die meisten von uns, schließlich ist Hopfen eine der Hauptzutaten für die Bierbrauer. Doch Bier wird immer weniger getrunken. Das Statistische Bundesamt meldete, dass im Jahr 2024 1,4 % weniger Bier abgesetzt wurde als im Vorjahr. Dieser Rückgang ist Teil eines langfristigen Trends, der sich seit den 1970er-Jahren fortsetzt. Aber: Bier ist nach wie vor das beliebteste alkoholische Getränk der Deutschen, auch wenn die Branche in den letzten Jahren mit sinkenden Ab- und Umsätzen zu kämpfen hat. Alkoholfreies Bier wird dagegen bei uns immer beliebter. Du findest es inzwischen auf fast jeder Getränkekarte. Die anderen Möglichkeiten, Hopfen zu verwenden, sind eher in Vergessenheit geraten.
von Dorit Schmitt 5. Mai 2025
Wer von euch ist noch so verliebt Pinot Noir, der schlank, charaktervoll und elegant daherkommt? Dann habe ich einen Tipp für euch: Holt euch Pinot Noir von Sven Enderle nach Hause! Bereit sein Basis Pinot Noir macht unglaublich viel Spaß beim Genießen! Dabei entpuppt er sich nicht nur als angenehmer Solist, sondern kann auch eine Menge toller Gerichte begleiten.
von Dorit Schmitt 21. April 2025
Man schenkt sich ein Glas Wein ein, riecht daran - findet die Tiefe faszinierend - nimmt einen Schluck und ist hin und weg? Weinkenner erleben das hin und wieder - aber dieser Müller-Thurgau hat Christina und mich umgehauen! Trotz seines moderaten Alkoholgehalts von 11,5% Vol. fehlt es diesem "Naturburschen eines Müllers" nicht an Ausdruck und Komplexität. Irgendwie fühlt man sich beim Trinken sanft eingehüllt in ein wunderbar wohliges Gefühl.
Show More